Altonaer Manifest: „Wer hätte das gedacht? Es wird ein Klotz!“

Gewinnerentwurf Seitenansicht, Barnerstraße – bestechender Abwechselungsreichtum!

Am Freitag, den 14. September 2018 wurde der Gewinner-Entwurf beim Architekturwettbewerb für die Ecke Barner- /Bahrenfelderstraße gekürt:

Er stammt vom jemanden, mit dem keiner gerechnet hatte. Niemand! Die Überraschung ist perfekt gelungen und kommt sozusagen aus dem Off: Das Büro Heyden und Hidde, hat den Zuschlag erhalten! Wow!

Die Grünen, deren baupolitischer Sprecher Sven Hidde von Heyden und Hidde einst war, sind sicherlich sehr zurfrieden: Auf dem Entwurf ist ein Fahrrad zu sehen! Und wie man sieht: Autos wird es an der stark befahrenen Kreuzung kaum mehr geben. Sollte jetzt noch eine Dachbegrünung hinzukommen, wäre es für die Grünen perfekt, denken wir.

Auch die sPD wird glücklich sein: konnte doch bei der öffentlichen Vorstellung der Architekturenwürfe die Wortwahl alle 66 Wohnungen seien: „förderungsfähig“ Besuchern Glauben machen, dass hier alle Wohnungen Sozialwohnungen werden.

Etwas, worauf man leicht hineinfällt: Kaum jemand weiß, was „förderungsfähig“ bedeutet und liest von daher, das was er kennt: Die Wohnungen werden 100% gefördert. Haha! Fast so nett wie damals bei den Breite-Straße-Häusern, ebenfalls von Heyden und Hidde entworfen: 1/3 der Wohnungen sollte „preisgedämpft!“ auf dem Markt angeboten werden. (siehe)

Bei der ganzen Langenweile des Baus bzw. der Bauten, kann es doch noch spannend bleiben. Von der Rechtswidrigkeit abgesehen könnten noch mehr Befeiungen erteilt werden: Überbauung des Fußweges vielleicht? So bei der Breite-Straße geschehen.

Rechtswidrig bezeichen wir diese Klotzerei, weil sie wesentlich höher wird, als im Baustufenplan ausgewiesen (4 Geschosse) und zusätzlich die dort festgeschriebene Nutzung nicht einhält. Ein Baustufenplan kommt einem Bebauungsplan gleich und ist zwar kein Gesetz, aber rechtlich verbindlich einzuhalten.

Es werden für diesen Bau Befreiungen erteilt: BauGB § 31 Abs 1: „Von den Festsetzungen des Bebauungsplans können solche Ausnahmen zugelassen werden, die in dem Bebauungsplan nach Art und Umfang ausdrücklich vorgesehen sind.“ Und „(2) Von den Festsetzungen des Bebauungsplans kann befreit werden, wenn die Grundzüge der Planung nicht berührt werden …“ (Siehe)

Wir befürchten, dass nun ein Bebauungsplan aufgestellt wird, der alle Invesorenträume erfüllt: Genauso wie der Investor es vorschlägt, wird das Recht geschrieben. Sehr merkwürdig in einer Demokratie.

Ach, nicht zu vergessen: Auch für den Abriss der Gründerzeithäuser Breite Straße und den Neubauklotz an diesem Ort wurden merkwürdige Befreiungen erteilt …

Dazu das Mopo-Lob vom 14.09.18 in der Mopo: hier

[Altonaer Manifest – Gastbeitrag von anna elbe]

NDR: „Backstein-Wohnhaus ersetzt Fischfabrik“

60 Wohnungen, ein Kultur-Innenhof und Platz für die alten Restaurants: So sieht der Entwurf der Ottensener Architekten für die Barnerstraße 42 aus.

Gegenüber der Altonaer „Fabrik“ soll ein markanter Altbau demnächst einem Neubau weichen: Den Architektenwettbewerb für die Barnerstraße 42 hat das Ottensener Büro Heyden und Hidde gewonnen mit einem Entwurf, der ein fünfstöckiges Wohnhaus aus hellem Backstein vorsieht.

Restaurants dürfen wieder einziehen

Der Neubau mit mehr als 60 Wohnungen soll die marode gelbe ehemalige Fischfabrik von 1890 ersetzen. Da man in Ottensen empfindlich auf den Abriss alter Häuser reagiert, organisierte der Investor Köhler & von Bargen eine frühzeitige Bürgerbeteiligung. Als Ergebnis gibt es im Innenhof keine Wohnungen, sondern ein zweigeschossiges Gebäude für Kultur. Die bekannten Restaurants „Mamma Mia“ und „Sotiris“ erhalten ein Rückkehrrecht.

Weiterlesen unter www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Ottensen-Backstein-Wohnhaus-ersetzt-Fischfabrik,ottensen196.html

Aktuelle Infos

13. September 2018 – Öffentliche Ausstellung der Entwürfe

Am 13. September 2018 findet von 18.00 bis 20.00 Uhr im Gemeindesaal der Paul-Gerhardt-Kirche (Bei der Paul-Gerhardt-Kirche 4, 22761 Hamburg) die öffentliche Ausstellung der Entwürfe für den Neubau statt. Alle interessierten Menschen sind herzlich eingeladen sich die eingereichten Entwürfe der Architekturbüros anzusehen und zu kommentieren. Nach einer kurzen inhaltlichen Einführung, können schriftliche Kommentare abgeben werden. Die Kommentare werden in die Jurysitzung am 14.09.2018 einfließen.

14. September 2018 – Jurysitzung zum Neubau

Die Jurysitzung, bei der über den endgültigen Entwurf des Neubaus abgestimmt wird, findet am  14. September 2018 statt. Dabei werden 8 Fachpreisrichter*innen (Freischaffende Architekten bzw. Stadtplaner*innen) und 7 Sachpreisrichter*innen (dabei auch 2 Verfahrensbegleiter*innen) über die Entwürfe abstimmen und eine Entscheidung für das zu realisierende Projekt treffen.

kiekmo: „Neue Vorschläge für den Neubau“

Der Abriss ist gewiss – der Gebäudekomplex rund um die alteingesessenen Restaurants „Mamma Mia“ und „Taverna Sotiris“ wird verschwinden. Jetzt verhandeln Mieter und Investoren über die Nutzung des Neubaus.

Von Sophia Herzog – kiekmo-Hamburg, 13. September 2018

Die Bewohner kaum eines anderen Hamburger Stadtteils brennen für ihr Viertel so sehr wie die Ottenser. Immer wieder gab es in der Vergangenheit deswegen Konflikte, wenn an Stelle eines prominenten Gebäudes ein Neubau entstehen sollte. Oft kündigen Investoren dann großspurig an, Anwohner an dem jeweiligen Projekten beteiligen zu wollen. Ein großes Mitspracherecht hatten die Einwohner aber nur selten. So auch im Fall des Projekts „Zeise 2“, bei dem aus dem eigentlich versprochenen Wohnraum an der Friedensallee schließlich doch ein Bürokomplex für Werbeunternehmen wurde. Auch am Spritzenplatz ringen Anwohner, Stadt und Investoren seit Jahren um einen Kompromiss.

Ungewisse Zukunft der „Barner 42“

Nur einen Steinwurf von der „Zeise 2“ entfernt läuft im Moment eine weitere Diskussion um einen geplanten Neubau. Nach dem Unmut über den beschlossenen Abriss des Gebäudes „Barner 42“ an der Straßenecke Bahrenfelder Straße / Barner Straße keimt bei den Anwohnern dieses Sorgenkindes allerdings noch Hoffnung …

Weiterlesen unter www.kiekmo.hamburg/barner-42-neue-vorschlaege-neubau-22848

Mopo: „Happy End für Ottensens Kultecke?“

Mopo 12.09.2018: Diese Nachricht sorgte für Unmut in Ottensen: Der Gebäudekomplex rund um das Restaurant „Taverna Sotiris“ wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Hoffnung: Dürfen Wirte und Anwohner zurück?

Der Begleitausschuss „Marinieranstalt Ottensen“ bei der Pressekonferenz im „Sotiris“ – Foto: HFR

Am Donnerstag werden vier Entwürfe für das Projekt „Barner 42“ vorgestellt, Freitag soll der Siegerentwurf gekürt werden. Man könne am Projekt „Barner 42“ zeigen, dass Hamburg nicht nur die Stadt der Porsche-Besitzer sei – deutliche Worte fielen diese Woche auf der Pressekonferenz des Begleitausschusses, in dem sich Wirte, Anwohner und Aktivisten des Gebäudekomplexes organisiert haben. Für sie steht der Wind günstig, denn die Investoren Köhler & von Bargen setzten bisher auf Dialog.

Es soll kein neues „Zeise 2“ geben

In einem Workshop im Frühjahr wurden Nutzungsvorschläge erarbeitet, die in den Architekturwettbewerb einfließen. Präsentiert werden die Ergebnisse am Donnerstag. Der Blick auf missglückte Versuche der Bürgerbeteiligung, etwa beim Ottenser Prestigeprojekt „Zeise 2“, hat die Mieter und Anwohner der Barnerstraße 42 dennoch vorsichtig werden lassen …

Weiterlesen unter www.mopo.de/hamburg/neubau-projekt–barner-42–happy-end-fuer-ottensens-kultecke–31252242

taz: „Retten, was zu retten ist“

Der Abriss der Eckbebauung gegenüber der Fabrik in Ottensen ist beschlossen, aber viele Details sind noch offen. Am Donnerstag werden die Neubau-Pläne vorgestellt.

Von Katharina Schipkowski – taz, 10. September 2018

Verhindern können sie es nicht mehr, und ihnen ist auch klar, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit als Verlierer*innen aus der Sache hervorgehen werden: Anwohner*innen und Gewerbetreibende der Barnerstraße 42, Ecke Bahrenfelder Straße, wollen trotzdem versuchen, das Beste aus den Plänen des Investors rauszuholen. Die Unternehmensgruppe Köhler & von Bargen hat das Grundstück gekauft und plant einen kompletten Abriss und Neubau.

An dieser Stelle will ein Investor Profit machen – die Frage ist, um welchen Preis – Foto: Miguel Ferraz

Noch befinden sich auf dem Eckgrundstück gegenüber der Fabrik in Ottensen mehrere Wohnungen und ein Wohnprojekt, eine Änderungsschneiderei, eine Shisha Bar und Restaurants wie die Pizzeria Mamma Mia und das griechische Restaurant Sotiris, das dem Regisseur Fatih Akin als Inspiration für seine Soulkitchen-Kulisse diente.

Wie der Neubau aussehen soll, ist noch nicht klar. Der Bebauungsplan lässt eine viergeschossige Bebauung zu, …

Weiterlesen unter www.taz.de/!5531475/

Pressekonferenz vom 10. September 2018 im Sotiris

[Hier der Text der Ansprache von Katharina Gerhardt bei der Pressekonferenz am 10. September 2018 um 11.00 Uhr im Sotiris]

Guten Tag meine Damen und Herren, herzlich willkommen zur heutigen Pressekonferenz der Marinieranstalt Ottensen – Leben und Arbeiten in delikater Lage.

Wer sind wir?

Ich begrüße Sie im Namen des Begleitausschusses des Bauprojekts Barner 42, Marinieranstalt Ottensen – Leben und Arbeiten in delikater Lage. Mein Name ist Katharina Gerhardt, ich wohne hier in der direkten Nachbarschaft und bin eine der ausgelosten Sachpreisrichterinnern des geplanten Bauprojekts.

Neben mir sitzt Wiebke Jansen, ebenfalls Sachpreisrichterin und Mieterin hier auf dem Gelände in der Villa Dunkelbunt.

Was wollen wir?

Überall in Ottensen lärmen die Bagger, an jeder Ecke wird ein Haus abgerissen. Man kann gar nicht so schnell gucken, wie hier im Viertel wieder ein neuer In-Laden aufmacht. Latte Macchiato gibt es in mindestens 23 Varianten, hochpreisige Klamottenläden schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Gentrifizierung schreitet voran.

In den letzten Jahren mussten in Ottensen immer wieder traditionsreiche Häusergruppen und ganze Wohnblöcke den Plänen von Großinvestoren weichen. An ihrer Stelle entstanden allzu oft sterile Neubauten, die nichts mehr mit Ottensens Tradition eines vielfältigen, kulturell bunten, sozial durchmischten und migrantisch geprägten ehemaligen Arbeiterstadtteils zu tun haben. Seit der kantige braune Klotz Zeise 2 trotz eines Bürgerbegehrens mit 29.000 Unterschriften unserem Viertel einen Riesenschwung Werber beschert hat, sieht man noch mehr feines Tuch, handgenähte Schuhe, Edelkarossen und Sushi to go in den Supermärkten.

Aber kreative Leute leben und arbeiten eben schon viel länger hier als die Damen und Herren von Scholz & Friends. In Ottensen wohnen zahlreiche Autorinnen, Kulturschaffende, Übersetzerinnen, Schauspielerinnen und Filmemacher. Hier sind Migrantinnen der ersten, zweiten und dritten Generation und viele Familien mit Kindern zu Hause. Auch allerhand alleinerziehende Mütter. Kulturinteressierte und politisch aktive Leute, solche, die ihr Viertel mögen und die meist einen eher schmalen Geldbeutel haben.

Und jetzt soll es einer ganz besonders charmanten Ecke Ottensens an den Kragen gehen, die eine Ottenser Institution beherbergt: In diesem charakteristischen gelben Eckgebäude aus dem 19. Jahrhundert, der ehemaligen Marinieranstalt und Fischräucherei Heinrich Gerlach, befindet sich seit über dreißig Jahren das Lokal Sotiris, eine gastronomische Institution.

Das Sotiris war Vorbild für Fatih Akins Restaurant in seinem wildromantischen Film Soul Kitchen. Das Sotiris ist Zatziki und Retsina, gegrillter Oktopus und Souvlaki, die man entspannt im lauschigen Hinterhof genießen kann – ein gelebtes Stück Mittelmeer in der Barnerstraße. Auch die Pizzeria Mamma Mia ein Haus weiter ist seit Jahren für viele Ottenser Familien und Kinder schlicht und einfach ihre Pizzeria, lecker, bezahlbar und nicht schicki-micki.

Zwischen dem Mamma Mia und dem Sotiris hat sich in den letzten Jahren zudem eine kleine feine multikulturelle und offene Oase gebildet: Die Villa Dunkelbunt, ein gemeinschaftlich orientiertes Wohn- und Kulturprojekt, das ein niedrigschwelliges Kulturangebot fürs Viertel bietet, ein Musikstudio und eine Werkstatt mit Atelierflächen beherbergt. Neben Musikunterricht, Chortreffen und Nachbarschaftshilfe finden dort in regelmäßigen Abständen Performances, Ausstellungen, Filmabende und Konzerte statt.

Außerdem gibt es auf dem Gelände Wohnungen, einen Lagerraum, einen Imbiss, eine Shisha-Bar und eine Änderungsschneiderei.

Das gesamte Areal wurde im letzten Jahr vom Hamburger Investor Köhler & von Bargen gekauft. Köhler & von Bargen will alle bestehenden Gebäude abreißen lassen und das Gelände neu bebauen.

Da der Investor weiß, wie prominent und identitätsstiftend die Ecke Barner 42 für Ottensen ist, hat er ein Bürgerbeteiligungsverfahren initiiert. Unter Vermittlung der Beraterfirma konsalt GmbH gab es dazu am 20. März 2018 eine Informationsveranstaltung mit Köhler & von Bargen und konsalt, zu der rund 250 Teilnehmer erschienen.

Am 16. April 2018 fand ebenfalls mit Köhler & von Bargen und konsalt, ein offener vierstündiger Workshop statt, dessen Ziel es war, Vorstellungen und Wünsche der Teilnehmerinnen in Bezug auf das Areal Barner42 zu erfahren und festzuhalten. Bei dieser Gelegenheit wurden je drei Vertreterinnen der An- und der Bewohnerinnen als Verfahrensbegleiter bestimmt.

Aus dieser sehr kurzen Phase echter Bürgerbeteiligung  ist unsere Gruppe von Verfahrensbegleiterinnen hervorgegangen. Wir haben uns als Begleitausschuss für das weitere Verfahren konstituiert und nennen uns Marinieranstalt Ottensen – Leben und Arbeiten in delikater Lage. Wir vertreten die Einzel-, Gewerbe und Gemeinschaftsmieter sowie die interessierte Nachbarschaft bzw. Öffentlichkeit. Unser Ziel ist es, ein weiteres Negativbeispiel städtebaulicher Fehlplanung in Ottensen zu verhindern. Denn die ehemaligen Esso-Häuser, das jetzige Paloma-Viertel, zeigen ja, dass es auch anders gehen kann.

Wir heißen Marinieranstalt, weil wir etwas bewahren wollen, nämlich mit den Bewohnern und den Gewerbetreibenden den Geist, die Offenheit und den Spirit dieser Ecke Ottensens. Wir wollen die Gegend weiterhin würzen mit kreativen Leuten, die gute Ideen haben.

Uns ist natürlich klar, wie die Eigentumsverhältnisse sind. Wir sind nicht naiv. Köhler & von Bargen gehört das Gelände, sie haben dafür eine Stange Geld gezahlt und wollen damit nun wieder welches verdienen. Das ist legitim.

Trotzdem fragen wir uns und vor allem auch das Bezirksamt Altona, ob Profit an dieser Stelle das einzige Kriterium sein sollte. Oder ob es nicht auch um Stadtentwicklung geht. Zeise 2 hat Ottensen nur einen riesigen, nicht einsehbaren, abweisenden Klotz beschert, der inzwischen für viel Geld vom Investor Procom/Quantum/WPP an den Versicherungskonzern Axa weiterverkauft worden ist. Ursprünglich waren Wohnungen auf dem Areal von Zeise 2 versprochen worden, es wurde aber keine gebaut.

Auch deshalb fordern wir:

Den Erhalt der sozialen Struktur in einem Neubau!

Bei den Mietwohnungen für Einzelpersonen und Gemeinschaften soll der Anteil von Eigentumswohnungen auf ein Minimum reduziert werden.

Wir fordern mindestens 60 Prozent sozial geförderten Wohnungsbau und 20 Prozent Mietwohnungen zu erschwinglichen Preisen; wir fordern die Bindung beim geförderten Wohnungsbau von mindestens 30 Jahren (wie bei den Esso-Häusern).

Wir fordern ein unbedingtes Rückkehrrecht der jetzigen Einzel-, Kollektiv- und Gewerbemieterinnen, zu den gleichen Konditionen wie bisher.

Während der Bauzeit muss eine gemeinsame Übergangslösung geschaffen werden für die Mieterinnen, die zurückkehren möchten; diese Übergangslösung sollte – wie bei den Esso-Häusern – auf dem Sozialplanverfahren für Sanierungs- und Stadterneuerungsgebiete in Hamburg basieren.

Die Werkstatt- /Atelierflächen sollten so lange wie möglich genutzt werden können.

Wir haben inzwischen alle politischen Parteien außer der AfD angeschrieben und suchen das Gespräch mit den politisch Verantwortlichen in Bezug auf ihre Gestaltungsmöglichkeiten im allgemeinen Interesse des Stadtteils. Mit den Grünen und der CDU sind bereits Termine vereinbart, auf Antwort von SPD, FDP und Linken warten wir noch.

Wir sind auch weiterhin in Gesprächen mit dem Investor.

Was wurde bisher erreicht?

Inzwischen gab es einen Architektenwettbewerb. In die Vorgaben für die Architekten sind die Anregungen aus dem Workshop mit eingeflossen. Das begrüßen wir.

Es gab Treffen der Marinieranstalt Ottensen mit dem Investor und konsalt am 6., 14. Juni und 19. Juni, in denen wir uns ausgetauscht und unser Selbstverständnis an die konsalt GmbH, Köhler & von Bargen übermittelt haben.

Zudem haben wir unsere Forderungen im Planungsausschuss des Bezirksamts Altona vorgetragen.

Folgende unserer Anliegen sind bereits in die Auslobung mit eingeflossen:

  • strukturiertes, kleinteiliges Gebäude;
  • Niedriggeschossige Gebäude (maximal 2 Stockwerke) in der Rückseite des Hinterhofs;
  • kleinteiliges Gewerbe im Erdgeschoss des Hauptgebäudes;
  • Wohnungen ab dem erstem Stockwerk im Hauptgebäude vorne und den Nebengebäuden im Hinterhof;
  • Vergrößerter, lebendiger und öffentlich zugänglicher Innenhof;
  • teils öffentlich zugängliches, ganzflächig begrüntes und unterschiedliches genutztes Flachdach (ohne Staffel)

Was noch nicht erreicht ist, was wir aber für notwendig halten:

Alle vorhin erwähnten Anliegen und Forderungen zum Erhalt der sozialen Struktur wurden bisher nicht vom Investor berücksichtigt, obschon diese von zentraler Bedeutung sind.

Außerdem:

  • Die Höhe des neuen Hauptgebäudes an der Straßenfront sollte an die derzeitige Höhe der umliegenden Gebäude angepasst und entsprechend abgestuft sein; ein 3. Stockwerk im Hinterhof kann sinnvoll sein, wenn das ermöglicht, die Höhe des vorderen Gebäudes zu begrenzen;
  • Das Gebäude soll Werkstätten, Proberäume, Ateliers, Räume für Zusammenkunft und Austausch beherbergen; die nutzbare Gemeinschaftsfläche sollte mindestens 100 qm betragen; der Rohbau sollte eine flexible Gestaltung ermöglichen, schallisoliert sein und über einen Wasseranschluss und Sanitäranlagen verfügen;
  • Es ist bei den Wettbewerbsentwürfen zu überprüfen, ob die bauliche Gestaltung Ottensens Tradition als vielfältiger, sozial durchmischter und migrantisch geprägter ehemaliger Arbeiterstadtteil widerspiegelt.

Wir wollen eine Entschärfung der Verkehrsproblematik an der Ecke Barner/Bahrenfelder Straße

  • Verzicht auf Tiefgarage im neuen Gebäude: das Untergeschoss soll für Proberäume, Abstellräume oder kollektive Arbeitsräume genutzt werden und sollte über einen Wasseranschluss und Sanitäranlagen verfügen;
  • Das neue Gebäudeensemble sollte keinen zusätzlichen Verkehr anziehen, Stichwort Verkehrsberuhigung;
  • Es braucht einen breiteren Gehweg und Fahrradweg sowohl in der Barner- als auch in der Bahrenfelderstraße, in der jetzigen Situation behindern Fußgänger und Fahrradfahrer einander an dieser belebten Kreuzung ganz massiv.

Wie geht es weiter?

Am Donnerstag, den 13.9.18 von 18-20 Uhr besteht die Möglichkeit für die interessierte Öffentlichkeit in den Gemeinderäumen der Paul-Gerhardt-Kirche, Bei der Paul-Gerhardt-Kirche 4 die Entwürfe der Architekturbüros anzusehen und zu kommentieren.

Zu dieser Veranstaltung können alle Interessenten kommen, die in der Jury am darauffolgenden Tag keine Preisrichterfunktion innehaben.

Das hat den Hintergrund, dass die Richtlinie für Planungswettbewerbe vorschreibt, dass alle an der Jurysitzung teilnehmenden Personen zu Beginn versichern müssen, von den Arbeiten bis zum Beginn der Jurysitzung keine Kenntnis zu haben.

Am 14.9.18 findet die Jurysitzung statt, die über die Wettbewerbsentwürfe entscheidet.

Mehr Informationen zum Beteiligungsverfahren finden Sie unter barner42.de im Internet. Dort gibt es auch ein Stichwort „Verfahrensbegleitung“, unter dem Sie unser Selbstverständnis und unsere Forderungen finden.

Die Marinieranstalt Ottensen gibt es auch im Internet:
marinieranstalt-ottensen.de

Schlusswort:

Für mich bedeutet Großstadt: Vielfalt, Toleranz, das Miteinander ganz unterschiedlicher Lebensentwürfe. Eine Großstadt, gerade ein so wohlhabende wie Hamburg, soll nicht nur ein Ort für Werber, Notare und Kiefernorthopäden sein.

Ich möchte, dass hier weiterhin eine bunte Vielfalt an Leuten in intelligent gestalteter Architektur leben und arbeiten kann. Ich habe Scholz & Friends ungefragt als neue Nachbarn bekommen. Aber meine alten Nachbarn sollen trotzdem hier bleiben dürfen.

Einladung zur Pressekonferenz am 10. September 2018 im Sotiris

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine charmante Ecke in Ottensen, das Gelände an der Barnerstraße 42, gegenüber dem Kulturzentrum Fabrik, hat den Besitzer gewechselt: Der Investor Köhler & von Bargen hat es von der Firma August Prien gekauft.

Das charakteristische gelbe Eckgebäude aus dem 19. Jahrhundert, die ehemalige Marinieranstalt und Fischräucherei Heinrich Gerlach, soll, ebenso wie alle anderen Gebäude auf dem Areal abgerissen werden und einem Neubau weichen.

In dem Gebäude befindet sich u.a. das Lokal Sotiris, seit 35 Jahren eine gastronomische Institution in unserem Stadtteil. Das Sotiris war Vorbild für das Restaurant in Fatih Aktins wildromantischen Hamburg-Film „Soul Kitchen“. Auch die beliebte Pizzeria „Mamma Mia“ soll abgerissen werden.

Neben Einzelwohnungen befindet sich die Villa Dunkelbunt auf dem Areal, ein gemeinschaftlich orientiertes Wohn- und Kulturprojekt, das ein niedrigschwelliges Kulturangebot für das Viertel bietet, Proberäume und eine Fahrradwerkstatt beherbergt.

Da der Investor weiß, wie prominent und identitätsstiftend die Ecke Barner 42 für Ottensen ist, hat er ein Bürgerbeteiligungsverfahren initiiert.

Wir, die „Marinieranstalt Ottensen – Leben und arbeiten in delikater Lage„, sind der Begleitausschuss in diesem Bürgerbeteiligungsverfahren.

Über den Stand des Verfahrens und unsere Forderungen möchten wir Sie gern informieren auf einer Pressekonferenz am 10.9.18 um 11.00 Uhr in der Taverna Sotiris, Barnerstraße 42, 22765 Hamburg, zu der wir Sie herzlich einladen.

Inzwischen gibt es für das Bauprojekt Entwürfe von Architekten, die einer interessierten Öffentlichkeit am 13.9.18 von 18.00-20.00 Uhr im Gemeindesaal der Paul-Gerhardt-Kirche, Bei der Paul-Gerhardt-Kirche 4, 22761 Hamburg vorgestellt werden.

Die Marinieranstalt Ottensen – Leben und arbeiten in delikater Lage

Zwischenbilanz vom 20. Juni 2018

Während der Treffen vom 6. Juni, 14. Juni und 19. Juni, haben die Verfahrensbegleiter*innen, zusammengeschlossen im Begleitausschuss Marinieranstalt Ottensen, die Anliegen aus ihrem Selbstverständnis, so wie es an konsalt GmbH, Köhler & von Bargen und den Bezirksausschuss im Mai 2018 übermittelt worden war, bilanziert und die derzeit verbleibenden Anliegen aktualisiert und präzisiert.

Bereits in die Auslobung mit eingeflossen sind:

(1) Zum Erhalt der sozialen Struktur, in einem Neubau,

  • Mischung von kleinteiligem Gewerbe im Erdgeschoss;
  • vergrößerter, offener und lebendiger Hinterhof

(2) Zur baulichen Gestaltung des Neubaus:

  • strukturiertes, kleinteiliges Gebäude;
  • Niedriggeschossige Gebäude (maximal 2 Stockwerke) in der Rückseite vom Hinterhof;
  • kleinteiliges Gewerbe im Erdgeschoss des Hauptgebäudes;
  • Wohnungen ab dem erstem Stockwerk im Hauptgebäude vorne und den Nebengebäuden im Hinterhof;
  • Vergrößerter, lebendiger und öffentlich zugänglicher Innenhof;
  • teils öffentlich zugängliches, ganzflächig begrüntes und unterschiedliches genutztes Flachdach (ohne Staffel)

Zurzeit ausstehende Anliegen und Prioritäten:

  1. Der Erhalt der sozialen Struktur in einem Neubau:

1.1. Bei den Mietwohnungen für Einzelpersonen und Gemeinschaften soll der Anteil von Eigentumswohnungen auf ein Minimum reduziert werden und mindestens 60 Prozent sozial geförderter Wohnungsbau und 20 Prozent Mietwohnungen zu erschwinglichen Preisen gewährleistet werden; die Bindung bei den geförderten Wohnungen soll mindestens 30 Jahre betragen (wie bei den Esso-Häusern);

1.2. Unbedingtes Rückkehrrecht der jetzigen Einzel-, Kollektiv- und Gewerbemieter*innen, die dies wollen, zu den gleichen Konditionen wie bisher;

1.3. Während der Bauzeit eine gemeinsame Übergangslösung schaffen für diejenigen Gewerbemieter*innen, Gemeinschaftsmieter*innen und Einzelmieter*innen, die zurückkehren möchten; diese Übergangslösung sollte – wie bei den Esso-Häusern – auf dem „Sozialplanverfahren für Sanierungs- und Stadterneuerungsgebiete in Hamburg“ basieren;

1.4. Die Werkstatt- /Atelierflächen sollten so lange wie möglich genutzt werden können.

  1. Zur baulichen Gestaltung des Neubaus:

2.1. Die Höhe des Hauptgebäudes an der Straßenfront, soll sich an die derzeitige Höhe der umliegenden Gebäude anpassen und entsprechend abgestuft sein; die Verfahrensbegleiter*innen verwehren sich nicht gegen ein 3. Stockwerk im Hinterhof, wenn dies erlaubt, die Höhe des vorderen Gebäudes zu begrenzen;

2.2. durchwachsen mit Werkstätten, Proberäumen, Ateliers, Räumen für Zusammenkunft und Austausch; die Fläche sollte mindestens 100 m2 betragen; der Rohbau soll eine flexible Gestaltung ermöglichen, schallisoliert und über einen Wasseranschluss und Sanitäranlagen verfügen;

2.3. eine bauliche Gestaltung, die Ottensens Tradition als vielfältiger, kulturell bunter, sozial durchmischter und migrantisch geprägter, ehemaliger Arbeiterstadtteil widerspiegelt – ist bei den Wettbewerbsentwürfen zu überprüfen.

  1. Entschärfung der Verkehrsproblematik an der Ecke Barner/Bahrenfelder Straße,

3.1. dabei Verzicht auf Tiefgarage: das Untergeschoss soll zu Zwecken wie Proberäumen, Abstellräumen oder kollektiven Arbeitsräumen genutzt werden und sollte über Wasseranschluss und Sanitäranlagen verfügen;

3.2. keinen zusätzlichen Verkehr anziehen, (Verkehrsberuhigung);

3.3. breiterer Gehweg und Fahrradweg.

Die Verfahrensbegleiter*innen, am 20. Juni 2018

Unsere Anliegen

[aus unserem Selbstverständnis vom Mai 2018]

Unsere Prioritäten, um den sozialen Erhalt zu gewährleisten

Sollte es zu einem Neubau bei Barner42 kommen, so setzen die Verfahrensbegleiter*innen sich prioritär für folgende, zusammen mit den An- und Bewohnern erstellte Prioritäten ein.

(1) Der Erhalt der sozialen Struktur, auch in einem Neubau, d.h.

  • Mischung von kleinteiligem Gewerbe im Erdgeschoss;
  • Mietwohnungen für Einzelpersonen und Gemeinschaften (dabei soll der Anteil von Eigentumswohnungen auf ein Minimum reduziert werden, und mindestens ein Drittel soziale Mietwohnungen und ein Drittel Mietwohnungen zu erschwinglichen Preisen gewährleistet sein);
  • Unbedingtes Rückkehrrecht der jetzigen Einzel-, Kollektiv- und Gewerbemieter*innen zu den gleichen Konditionen wie bisher;
  • vergrößerter, offener und lebendiger Hinterhof mit sub-kulturellen Angeboten in Eigengestaltung.

(2) Zur Gestaltung des Neubaus (soweit notwendig):

  • strukturiertes, kleinteiliges Gebäude;
  • Hauptgebäude an der Straßenfront, das sich in der (eventuell gestuften) Höhe der jetzigen Umgebung anpasst;
  • Niedriggeschossige Gebäude (maximal 2 Stockwerke) in der Rückseite vom Hinterhof;
  • kleinteiliges Gewerbe im Erdgeschoss des Hauptgebäudes;
  • Wohnungen ab dem erstem Stockwerk im Hauptgebäude vorne und den Nebengebäuden im Hinterhof;
  • durchwachsen mit Werkstätten, Proberäumen, Ateliers, Räumen für Zusammenkunft und Austausch;
  • mit vergrößertem, lebendigem und öffentlich zugänglichem Innenhof (siehe oben);
  • teils öffentlich zugänglichem, ganzflächig begrüntem und unterschiedlich genutztem Flachdach (ohne Staffel);
  • einer baulichen Gestaltung, die Ottensens Tradition als vielfältiger, kulturell bunter, sozial durchmischter und migrantisch geprägter, ehemaliger Arbeiterstadtteil widerspiegelt.

(3) Entschärfung der Verkehrsproblematik an der Ecke Barner/Bahrenfelder Straße (Verzicht auf Tiefgarage, was nicht heißt, dass ein Untergeschoss nicht zu anderen Zwecken wie Proberäumen, Abstellräumen oder kollektiven Arbeitsräumen genutzt werden kann; keinen zusätzlichen Verkehr anziehen, Verkehrsberuhigung), breiterer Gehweg und Fahrradweg.

(4) Während der Bauzeit eine gemeinsame Übergangslösung schaffen für diejenigen Gewerbemieter*innen, Kollektivmieter*innen und Einzelmieter*innen, die zurückkehren möchten (gemeinsam an anderer Stelle oder durch Zwei-Phasen-Bau).

Gemeinsam und solidarisch

Bei diesem Anliegen ist uns eine große Unterstützung der Bewohner*innen Ottensens und anderer Hamburger Stadtteile, ebenso wie auch ähnlich gelagerter Initiativen gewiss. Gemeinsam und solidarisch kämpfen wir gegen weitere Gentrifizierung unseres Viertels und für den Erhalt der sozialen und traditionsreichen Lebensräume unserer Stadt.